Wasser.Ruhe.Raum
ein Badehaus beim ehemaligen Ostsee- und Moorbad | Cranz
Professur Bauformenlehre | Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Des. Bernd Rudolf
Masterabschlussarbeit 2018 I Bauhaus-Universität Weimar
Entwurf
Der Entwurf soll die Erinnerung an einen ganz bestimmten Ort hervorrufen. Er soll diesen Ort reflektieren, aber auch versuchen ihm eine neue Identität zu geben. Es soll ein Gebäude entstehen, das mit der Geologie des Ortes korrespondiert.
Die Baltische Ostseeküste ist durch viele Besonderheiten geprägt, wie das Naturschutzgebiet der Kurischen Nehrung, mit wandernden Dünenlandschaften und Kiefernwäldern, Hochmoorgebieten oder auch die Vergangenheit als ein königliches Ostsee- und Moorbad in Ostpreußen. Vor allem aber ist der Bernstein und sein, hier weltweit größtes, Vorkommen eines der Wahrzeichen dieser Region.
Herleitung
Bernstein zählt zu den ältesten Schmuck- und Heilsteinen der Welt. Um sich vorzustellen, wie der Baltische Bernstein entstanden ist, sollte man sich mehrere Millionen Jahre in den südlichen Teil Skandinaviens bzw. in den nördlichen Teil der Ostsee zurückbegeben, denn die Ostsee bildete sich erst vor etwa 13000 Jahren. Vor mehr als 50 Millionen Jahren war dieser Raum mit ausgedehnten Kiefernwäldern bedeckt. Das Klima war tropischsubtropisch warm und feucht.
Die Bernsteinkiefer und andere Nadelhölzer haben einen natürlichen Schutzmechanismus entwickelt und konnten sich bei einer Verletzung mit austretenden Harz selbst heilen. Das Harz war dünnflüssig, aber erhärtete extrem schnell. Da Baumharze im Waldboden durch Austrocknung und Oxidation relativ bald zerstört werden, ist der erste und wichtigste Schritt für ihre Erhaltung ein eiliger Abtransport durch Flüsse ins Meer oder in Binnenseen, wo sie vor diesen Prozessen geschützt sind. Flusssysteme lagerten den Bernstein durch ihre Strömungen in Lagunen ab, wo er mit unterschiedlichen Sedimenten bedeckt wurde. Durch Hitze und Druck kam es zur Polymerisation und damit zur Bernsteinentstehung.
Die Inklusen sind fossile Einschlüsse von kleinen Tieren oder Pflanzenteilen, deren Abdrücke, in seltenen Fällen auch Gewebereste, im Bernstein seit Jahrmillionen perfekt erhalten sind. Daher wird Bernstein auch „Fenster in die Vergangenheit“ genannt.
Bernstein lagert sich in der sogenannten „Blauen Erde“ ab. Es handelt sich dabei um ein Sedimentgestein, das eine schichtartige Struktur aufweist. Es trägt in sich nicht nur Bernstein sondern auch andere Fossilien. Die „Blaue Erde“ wird dabei wie eine Matrize mit einem endlosen Raster behandelt. Dem Entwurf liegt ein gedanklicher Ausschnitt der Region zugrunde. Ein Ausschnitt, der wie eine Kernbohrung ausgeführt wird, die Substanz des Ortes extrahiert und es zum Vorschein bringt.
Aller Anfang ist schwer! Der Weg hierher war nicht immer einfach für uns. Aber wir würden um keinen Preis der Welt etwas daran ändern. Unsere Erfahrungen haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind - und wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Davon können Sie heute profitieren.